Begegnung mit Menschen ist Begegnung mit Geschichte

Schon früh habe ich gelernt, dass Lebensgeschichten etwas besonders wertvolles sind. Ich fasste die „große” Geschichte immer schon als einen Zusammenfluss unzähliger individueller Erlebnisse auf. Einige sind berühmter, mächtiger und deshalb historisch gewichtiger. Aber all das historische Gewicht kommt nur zustande, wenn es die vielen, vielen anderen gibt, die die Arbeit erledigen. Begegnung mit Geschichte ist immer auch Begegnung mit Menschen. Wie Begegnung mit Menschen eben immer auch Begegnung mit Geschichte ist.

Erste Interviews

Mein Name ist Axel Nixdorf. Ende der 90er Jahre verschlug es mich in den Journalismus. Zunächst schreibend. Vom Feuilleton über die Reportage bis zur Wirtschaft faszinierte mich in jedem Ressort die menschliche Interaktion. In meiner Karriere habe ich ungezählte Menschen interviewt. Mein erster prominenter Gesprächspartner war sicherlich der Dirigent Sir John Elliott Gardiner im Jahre 1999 anlässlich seiner Bach-Pilgerreise. Ich war sehr aufgeregt und erlebte einen bescheidenen, klugen, sehr reflektierten Mann, der seine Aufgabe sehr ernst nahm, und mich – den damals jungen, unerfahrenen Journalisten – mit seinem Ernst beruhigte.


Ich interviewte Wirtschaftslenker und Nobelpreisträger, Künstler, Dichter und Denker. Meine Interviews führten mich mitunter zu zeithistorischen Entdeckungen, die ich für viele Menschen aufarbeitete. Aber nicht nur die bedeutenden Begegnungen mit Prominenten erwiesen sich als wichtig. Viele wirklich beeindruckende Interviews und Begegnungen führten mich mit einfachen Menschen zusammen. Wieder lernte ich: Begegnung mit Geschichte ist immer auch Begegnung mit Menschen. Wie Begegnung mit Menschen eben immer auch Begegnung mit Geschichte ist. Ich erinnere mich an einen psychisch kranken Dichter in einer sommers völlig überhitzen Frankfurter Mansarde. Und wie sehr mich diese Begegnung bewegte.

Lebenswege

Ich erinnere mich aber auch an das Treffen mit einer pensionierten Wiener Erzieherin, die in einem Akt zivilen Aufruhrs im Jahr 2003 fast 30 Wohnungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angemietet hatte. Und halb Wien sammelte Geld zu ihrer Unterstützung, indem jede Menge Bier getrunken wurde.
Ich begegnete einem Winzer, der das eher unwillig übernommene Familienweingut modernisierte, indem er die Methoden seines Großvaters reanimierte.

Abenteuerlich: Ich flog mit einem kleinen einmotorigen Flugzeug in sieben Etappen von Bremen nach Miami. Unsere Pilotin eine ganz normale Hausfrau und Mutter von zwei Töchtern, MIELE-Vertreterin an der US-amerikanischen Ostküste mit der äußerst raren Nebenbeschäftigung, Flugzeuge über Distanzen zu überführen, für die die eigentlich nicht gebaut sind.

Interviews in der Tiefe (des Berges)

Wo es hoch hinausgeht, geht es auch tief hinab. Zweimal bin ich tief in die Erde hineingestiegen. Einmal Hunderte Meter tief in die Baustelle des Gotthardt-Bahntunnels. Ein anderes Mal kletterte ich eigenhändig in einen Schacht, den eine Gruppe von Männern in den Kalkstein zwischen Donau und Hegau getrieben hatten, um die unterirdische Donau zu finden. Und auch tief in diesem Berg führte ich für den Film „Die schwarze Donau – Ein Fluss verschwindet”, den ich für arte drehte, Interviews.

So lernte ich die unterschiedlichsten Menschen kennen, ihre Schicksale, ihre Träume, ihre Ideen, aber auch die Methoden und Wege mit denen sie dort hingekommen waren, wo sie waren. Je mehr ich mich mit dem Medium Film als Plattform der Interviews beschäftigte, desto intensiver beschäftigte mich der Gedanke, filmische Lebenserinnerungen für alle möglich zu machen. Weil ich davon überzeugt bin, dass Film jetzt das am besten geeignete Mittel ist, seine eigene Geschichte zu bewahren und mit nachfolgenden Generationen zu teilen. Für jedes Bedürfnis sich mitzuteilen gibt es eine Form und im Zeitalter der Sozialen Medien auch die ganze Spannweite von diskret und persönlich bis öffentlich.

Seit über 20 Jahren: Filme

1997 machte ich den ersten Dokumentarfilm. Damals war ein damals 14-jähriges musikalisches Wunderkind Hauptperson (aus dem später, im Gegensatz zu vielen ähnlichen Fällen tatsächlich ein beachteter Künstler wurde.) Ende der Neunziger, war die Produktion eines Films noch personalintensiv, technisch kompliziert. Und deshalb für einzelne Auftraggeber jenseits der TV-Stationen unbezahlbar teuer. Schon in dieser Zeit hatte ich mehr Protagonisten und Ideen für Filme, als Fernsehredaktionen akzeptieren wollten. Aus diesen Gründen entstanden schmerzliche Leerstellen. Geschichten, die ich für großartig, interessant, vorbildhaft und für andere Menschen ermutigend hielt, wurden mangels Budgets nicht produziert.

Schmerzliche Leerstellen

Eine der größten Leerstellen ist für mich heute noch der nie realisierte Film „Abschied von einem Jahrhundert”. Im Frühjahr 2000 begegnete ich in einer Seniorenresidenz als schreibender Journalist für eine Frankfurter Tageszeitung auf einem Termin einer alten Dame. Sie hieß Ilse Pohl und war damals 93 Jahre alt. Im Terminkalender der Redaktion war sie als Gast in dem Altenheim angekündigt. Sie las aus dem dritten Band ihrer Autobiographie.

Ich war skeptisch. Und die um mich herum sitzenden Zuhörer und vor allem Zuhörerinnen, allesamt Bewohner dieser Seniorenresidenz, waren das auch. Einige tuschelten kleine Gemeinheiten, zeigten sich neidisch: die Stimmung im Raum zum Anfang der Lesung war überwiegend abwehrend gegen ihren Gast. Aber Ilse Pohl ließ sich davon nicht irritieren. Aus dem dritten Band ihrer Lebenserinnerungen „Nimm Abschied und beginne“ trug sie das jüngste Drittel ihrer in dreimal 30 Jahre geteilten Biographie vor. Es war eine Erinnerung an das Wechselspiel von Pflicht und dem eigenen Wollen.

Schicksalsbewältigung

Ilse Pohl beklagte sich nicht über ihre Pflichten. Sie gehörte zu der Generation von Frauen, denen ein Durchsetzen der eigenen Ziele notfalls auch gegen das Veto des Gatten nicht anstand. „Die Bewährung im Alter bedeutet auch die Fürsorge umeinander“, las die Autorin. In über 60 Jahren Ehe hatte das Paar Pohl vieles miteinander bewältigt. Mit dem Satz „Rücksicht fällt nicht immer leicht“ deutete die Witwe nur an. Niemals ließ sie allerdings Zweifel über ihre Ehe aufkommen. Auch wenn „Glück manchmal nur Erinnerung ist“.

Mein nach der ersten Begegnung in der Zeitung gedruckter Text gefiel Ilse Pohl so sehr, dass Sie meine Kontaktdaten herausfand und sich bei mir meldete. Wir wurden Freunde. Dabei waren die drei Bände ihrer gedruckten Autobiografie ein enges Band. Ich erlebte am Beispiel von Ilse Pohl, wie biographische Erlebnisse einen Menschen bis ins hohe Alter formen und beeinflussen. Anfangs, als Kind, hatte sie noch im Matrosenkleidchen am Straßenrand gestanden und dem Kaiser zugewinkt. Als junge Frau versuchte sie sanfte Schritte zur Emanzipation in den späten 1920ern und durchlitt eine unglückliche Liebe mitsamt zerstörerischer Enttäuschung und eine (zu) späte Auflösung des Dilemmas. Ihr, der Berlinerin, wurde der Bodensee und dort besonders Meersburg zweimal zu einem Schicksalsort.

Abschied von einem Jahrhundert

Meine Freundschaft mit Ilse Pohl führte uns verschiedene Male an den Bodensee. Und hier hatte ich die Idee für den Film „Abschied von einem Jahrhundert”. Denn als wir abermals auf dem Tanzboden eines Biergartens am Ufer standen, an dem Ilse Pohl Jahrzehnte zuvor ihren Verlobungstanz tanzte, sah ich vor meinem inneren Auge einen Film im Herbstlicht. Und ich hörte vor meinem inneren Ohr die leicht brüchige aber immer eindringliche Stimme Ilse Pohls. Wie sie aus ihrem Leben erzählt, dazu Passagen aus ihren Büchern vorträgt. Ein Film über das reiche Leben einer Frau, die über 100 Jahre alt werden sollte: erzählt von ihr selbst. Mit bewegten und bewegenden Bildern von Ihr an Orten, die ihr wichtig waren. Kindheitsorte, Entscheidungsorte, Orte des Glücks und Orte des Leids. Begegnung mit Menschen ist Begegnung mit Geschichte.

Doch aus diesem Film „Abschied von einem Jahrhundert” wurde nichts. Anfang der 2000er Jahre war es noch zu personalintensiv und zu teuer, einen solchen Film zu produzieren. Die Redakteure winkten ab. Ihrer Meinung nach interessierte sich niemand für die Lebenserinnerungen einer Hundertjährigen. Sie erkannten nicht, dass dieser Frau, die mit 86 Jahren ihr Leben änderte, indem sie ihren Jugendtraum verwirklichte: Schriftstellerin werden, andere, auch viel jüngere Menschen ermutigen könnte.

Eignung und Neigung

Ich war damals anderer Meinung als die Redakteure und ich bin es heute noch. Inzwischen habe ich sehr viele Filme gemacht. Für’s Fernsehen, für Unternehmen, für Privatleute, habe Opernaufzeichnungen für DVD produziert, neue filmische Formate entwickelt usw. Auch hat es inzwischen eine rasante technische Entwicklung gegeben, die es ermöglicht, schöne Filme zu relativ geringen Kosten zu produzieren. Ein Film wie der nie produzierte „Abschied von einem Jahrhundert” muss kein Hirngespinst mehr bleiben. Weil wir heute einen Film über Ihre Kindheitsorte, Ihre Lebenserinnerungen, über Ihre Werte und Anschauungen machen können, die qualitativ kaum hinter einer Fernseh- oder Kinoproduktion zurückstehen müssen.

Meine journalistische und gestalterische Erfahrung, meine Fähigkeiten zur gründlichen Recherche (In Archiven, in Interviews, an realen Orten) und meine Detailversessenheit und mein unbedingter Willen, jeden Film auch schön aussehen zu lassen, helfen mir dabei, die Leerstelle von vor ca. 20 Jahren heute zu überbrücken, auszufüllen.
Meine langjährige Vernetzung in der Branche der Film- und Fernsehproduktionen ermöglicht mir, für jede Anforderung das richtige Team zusammenzustellen. Das ist ein weiterer erheblicher Vorteil bei der Planung eines Films über Ihre Lebenserinnerungen.

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