Generation „Wirtschaftswunder”

Symbol des Wirtschaftswunders: der Millionste VW Käfer
Symbol des Wirtschaftswunders: der Millionste VW Käfer

Der Wiederaufbau (West-)Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg wird oft als „Wirtschaftswunder” bezeichnet. Da ist einerseits etwas Wahres dran! Andererseits: Wer „Wunder” sagt, der blendet den menschlichen Anteil aus. Klassische Wunder finden (überwiegend) ohne Arbeit statt. Wenn man aber das „Wirtschaftswunder” genauer ansieht, dann besteht das plötzlich fast ausschließlich aus Arbeit. Dieser Erfolg ist das Resultat der Generation Wirtschaftswunder. Es ist längst Zeit, dass die einzelnen Schicksale in zeitgemäßen Medien zu Wort kommen und so bewahrt werden können! Aber: Schreiben Sie nicht Ihre Memoiren. Erzählen Sie sie zeitgemäß in einem Film! Erzählen Sie Ihre Geschichte als Teil dieser Generation.

Schicksale, die mehr sind, als die Summe von Erlebnissen

Abgesehen davon, dass ich schon immer gerne den Geschichten anderer zugehört habe, führte mich ein filmisches Interview im engeren Familienkreis nach an die Generation Wirtschaftswunder heran. Da waren zwei von einem Tag auf den anderen aus ihrer Heimat vertriebene Donauschwaben, die zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch längst nichts voneinander wussten. Sie, ein Schulkind von sieben Jahren, mit Eltern und Geschwistern: eines Tages im Februar 1946 stand der Name der Familie auf einem Ankündigungsbrett am Rathaus ihres ungarischen Dorfes: dann und dann, dort und dort, mit so und so viel Gepäck am Bahndamm einfinden! Davai!
Die Familie wurde mit vielen anderen Familien im Viehwaggon aus Ungarn rausgekarrt. Beherrscht von Angst in Sibirien zu landen beteten und bangten sie. Von Ort zu Ort, von Halt zu Halt.

Auch eine Flüchtlingsgeschichte

Die Reise endete nicht in den sibirischen Wäldern. Gottlob! Die Reise endete vielmehr in der schwäbischen Provinz. Bei weitem nicht so sehr vom Krieg verheert wie viele andere Regionen Deutschlands. Jedoch bettelarm mit nicht viel mehr als dem Willen zu überleben.
Die Flüchtlingsfamilie massive Ablehnung durch die Einheimischen. Jede Lohnabrechnung, jede Einquartierung, jeder Schultag war ein harter Kampf. Die katholischen Einwanderer hielten sich von den protestantischen Einheimischen fern und umgekehrt auch.

Beim Tanzvergnügen lernten sich die Schülerin und der Lehrling kennen. Sie heirateten, bauten das erste Haus noch ohne seinen Vater, der erst als einer der letzten Kriegsgefangenen überhaupt aus Russland entlassen wurde. Als der Vater endlich wieder zu seiner Familie fand, hatte der Sohn schon einen Beruf, ein selbst gebautes Haus, eine kleine Familie und noch soooo viel mehr Pläne. Es blieb nicht bei dem einen Hausbau und es blieb auch nicht bei der Festanstellung beim „Daimler”.
Die Familie erarbeitete sich unter Entbehrungen und Anfeindungen einen beachtlichen Erfolg und eröffnete Anfang der Siebziger weit und breit den ersten Supermarkt der Region. Das ist eine von Millionen Geschichten der Generation Wirtschaftswunder.

Da sind wir allesamt raus aus dem Viehwaggon und haben uns hingekniet und gebetet, dass sie uns doch wieder zurückfahren mögen und dass sie uns nicht nach Russland bringen.

Therese D. über die Vertreibung ihrer Familie aus Ungarn
Audio-Auszug aus dem filmischen Interview mit Therese D.

Es gibt noch so viele unerzählte Geschichten der Generation „Wirtschaftswunder”

Der Film für die Familie von Therese D. ist der Anfang meiner sehr praktischen Auseinandersetzung mit der Generation „Wirtschaftswunder”. Geschichten, die bewahrt werden müssen. Weil sie so wichtig sind für die Identität der Menschen in Deutschland. Diese Geschichten sind es wert, um in hochwertigen Filmen folgenden Generationen übergeben zu werden. Dieses Land ist, wie es ist, weil diese Generation Wirtschaftswunder es zu dem gemacht hat. Unzählige Erfinder, Gründer, Bauherren und fleißige Arbeiter aus allen Regionen Deutschlands haben Großes zum Aufbau des Landes geleistet. Sie sind ein Teil der Generation Wirtschaftswunder? Dann erzählen Sie Ihre Geschichte in einem Film!

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